Die Antoniuskirche
war bis 2013 die Pfarrkirche des Stadtteils Pluggendorf,der daher auch Antoniusviertel genannt wurde. Den Namen erhielt die Pfarre von einer Statue des hl. Antonius, die an der Weselerstraße/Ecke Geiststraße stand.
--> Ausstattung der Antoniuskirche



1900
Gründung des Antoniusvereins mit dem Ziel, eine eigene Pfarre zu gründen und eine Kirche zu bauen. Das seit der Eingemeindung von 1875 Pluggendorf genannte Viertel Vor dem Ägidii-Tor gehörte noch zur Pfarrei St. Lamberti.


1902
2. Februar: Einweihung einer "Notkirche" auf dem Gelände des heutigen Altenheims St. Lamberti


1905
Kauf des Grundstück des ehemaligen Friedhofs der Ägidii-Ludgeri-Pfarre an der Weselerstraße


1909
Gründung der Antoniuspfarre


 

                  

HERMANN
durch Gottes Erbarmung und des Heiligen Apostolischen Stuhles Gnade
BISCHOF VON MÜNSTER

URKUNDE

über Errichtung einer St. Antonius-Pfarre zu Münster


Nach Anhörung aller Beteiligten und Berechtigten wird hierdurch festgesetzt und verordnet, wie folgt:
I. Im Südwesten der Stadt Münster wird eine selbstständige St. Antonius-Pfarre errichtet, welche Teile der bestehenden Pfarren St. Lamberti, St. Josef und Liebfrauen überwiesen werden. Die Grenzen der neuen Pfarre bilden vom Ausgang der Ägidiistraße anfangend in östlicher Richtung die Achse der Promenade, der Wehrstraße B, der Antoniusstraße, der Geiststraße, der Sandgrube, der von der Sandgrube zum Wasserturm projektierten Straße, des am Hause Sentmaring vorbeiführenden Weges zum Gute Insel, des nördlich vom gute Insel zum Kappenbergerdamm führenden Weges. Von hier an bildet die alte Pfarrgrenze von Lamberti die Grenze der neuen Antonius-Pfarre bis zur Aa in der Bauerschaft Mecklenbeck, alsdann die Aa in nördlicher Richtung bis zum Sentruper Wege, die Achse dieses Weges bis zum Centralfriedhof, die südwestliche Grenze des Centralfriedhofes bis zur Himmelreich-Allee, bis zur Ägidiistraße, wie es auf den anliegenden Karten ersichtlich ist. – Das bisher zur Lambertipfarre gehörige Gebiet, welches begrenzt ist von der Himmelreich-Allee, dem Aabett bis zur Mühlenstraße und der Ägidiipfarre, wird zur St. Ägidiipfarre überwiesen.
II. Der südliche Teil des neuen Pfarrbezirks, soweit er auf der Karte (Anl.1 a) rot angelegt ist, soll eine selbständige Kapellengemeinde mit eigener Vermögensverwaltung bilden, über deren Errichtung und Ausstattung eine besondere Urkunde ausgestellt wird.
III. Der neuen Pfarre werden die laut Beschluss der kirchlichen Organe der Lambertipfarre vom 11.September 1905 für sie bestimmten Vermögensobjekte als Eigentum beziehungsweise Nutznießung überwiesen gegen Übernahme der darauf ruhenden Verpflichtungen und Lasten.
IV. Die neue Pfarre hat das dem Pfarrer zustehende gesetzliche Diensteinkommen, soweit es nicht vorhanden ist, aus eigenen Mitteln aufzubringen.
V. Die Bestimmungen dieser Urkunde treten am 1. April 1909 in Kraft.
Münster, den November 1909



1914
5. Juni Grundsteinlegung zur Antoniuskirche.
Die Kirche hatte im Osten ein Querschiff und eine Vierungskuppel. Am 5. Oktober 1915 brach das Gerüst unter der Kuppel zusammen und begrub fünf Arbeiter. Die durch das Getöse alarmierten Nachbarn bemühten sich sofort sie freizugraben. Für zwei Arbeiter kam jede Hilfe zu spät.


Der Altarraum zeigt Anklänge an die Clemenskirche von Johann Conrad Schlaun.
Die Antoniuskirche galt als neobarocker Bau, ist aber eher dem Historismus oder dem Eklektizismus zuzuordnen.
Rechts erkennt man noch die klassizistischen Pfeiler des ehemaligen Friedhofstores.


1917
Altarweihe  durch Prof. Mausbach.
Professor Mausbach war Moraltheologe an der Universität Münster, Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und beteiligt an der Ausarbeitung der Weimarer Verfassung von 1919.

1943 - 1945
Zerstörung der Kirche und des Pfarrhauses mit dem Archiv


1951 - 1952
Wiederaufbau der Kirche. Bis 1955 wurden Haussammlungen zum Kirchenbau durchgeführt. Am 3. August 1952, nach nur einem Jahr Bauzeit, wurde der Altar der wiederaufgebauten Kirche konsekriert.



                   

                

URKUNDE

ÜBER DIE ALTARWEIHE UND DIE WIEDERERÖFFNUNG DER ANTONIUSKIRCHE AM 3. AUGUST 1952
DER ERSTE GOTTESDIENST DER ANTONIUSGEMEINDE WURDE GEHALTEN AM 2. FEBRUAR 1902 IN DER NOTKIRCHE AN DER SCHARNHORSTSTR. (DAMALS MECKLENBECKERSTR.) AM 22. NOVEMBER 1914 KONNTE DER GRUNDSTEIN DER ANTONIUSKIRCHE GELEGT WERDEN, DIE UNTER DEM PFARRER HEINRICH NONHOFF NACH DEN PLÄNEN DES ARCHITEKTEN BECKER-MAINZ ERBAUT WURDE. IM JAHRE 1917 WURDE SIE KONSEKRIERT.
WAS IM 1. WELTKRIEG AUFGEBAUT WURDE, FIEL IM 2. WELTKRIEG DER ZERSTÖRUNG ANHEIM. AM 10. OKTOBER 1943 ZERSTÖRTEN SPRENGBOMBEN DAS INNERE DER KIRCHE, DASS DER GOTTESDIENST IN DIE KRYPTA VERLEGT WERDEN MUSSTE. AM 12. SEPTEMBER 1944 MACHTEN SPRENG- UND BRANDBOMBEN DIE REICH AUSGESTATTETE BAROCKKIRCHE ZU EINER RUINE. BIS ZUM UNSELIGEN ENDE DES KRIEGES WAREN ALLE HÄUSER DER DER KIRCHENGEMEINDE ST. ANTONIUS ZERSTÖRT. DIE KIRCHE, DIE KAPLANEI, DAS JUGENDHEIM. DIE GEMEINDE WAR AUCH DURCH DEN BOMBENKRIEG ZUSAMMENGESCHMOLZEN AUF ZIRKA 200 SEELEN.
NACH DEM KRIEGE WUCHS ALLMÄHLICH WIEDER DIE GEMEINDE UND ZÄHLT HEUTE ÜBER 4000 SEELEN.
IM JAHRE 1951 BEGANN DER WIEDERAUFBAU DER KIRCHE NACH DEM ENTWURF DES PROFESSORS DOMINIKUS BÖHM AUS KÖLN UND DER ÖRTLICHEN BAULEITUNG DES ARCHITEKTEN BERNH. STEINKAMP AUS MÜNSTER.
UNTER GROSSEN OPFERN DER VERARMTEN GEMEINDE WURDE SIE FERTIGGESTELLT. HEUTE, AM 3. AUGUST IM JAHRE DES HEILES 1952, ALS
DR. MICHAEL KELLER, BISCHOF VON MÜNSTER,
JOSEF TÖMMERS, PFARRER VON ST ANTONIUS IN MÜNSTER, PROFESSOR DR. THEODOR HEUSS, BUNDESPRÄSIDENT DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND, DOKTOR WILHELM SIEHOFF, OBERBÜRGERMEISTER DER STADT MÜNSTER WAREN, WURDE DER ALTAR DER ANTONIUSKIRCHE DURCH SEINE EXZELLENZ WEIHBISCHOF HEINRICH BAAKEN KONSEKRIERT UND DER GOTTESDIENST IN DER WIEDERERSTANDENEN KIRCHE ERÖFFNET.
DIES BEURKUNDEN DURCH EIGENHÄNDIGE UNTERSCHRIFT
DER KIRCHENVORSTAND.

 

Nach Außen wirkt die Kirche heute eher düster - eingezwängt zwischen zwei verkehrsreiche Straßen. Im Innern ist die Kirche hell und freundlich.


1964
Die Spanische Gemeinde Münster feiert den ersten Gottesdienst in der Krypta der Anntoniuskirche.

1969 - 1970
Umgestaltung des Altarraumes entsprechend der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils.
1961 bekam die Antoniuskirche ein neues Geläute, ebenso kurze Zeit später   die Kirche der neugegründeten evangelischen Matthäusgemeinde in der Antoniusstraße. Wenn beide Kirchen gleichzeitig zum Gottesdienst läuteten, rebellierte bei einigen Anwohnern das musikalische Gehör. Eine fachmännische Untersuchung ergab, dass die Glocken der Antoniuskirche völlig falsch gestimmt waren. Sie mussten wieder abgehängt und neu gegossen werden. Danach war das sonntägliche Läuten harmonisch.
Eine weitere Überprüfung im Jahre 1995 zeigte jedoch, dass die Aufhängung der Glocken bereits irreparabel marode war. Drei Glocken mussten wieder neu gegossen werden. Das Geld dazu erhielt der Pfarrer (Pfarrer Orten) von einem privaten Spender.


2013
wurde die Antoniuspfarre als selbständige Gemeinde aufgelöst und der Pfarrei St.Josef-Süd zugeteilt. Sie dient nun der Polnischen Gemeinde als Pfarrkirche.


2018
fiel bei dem Sturm "Friederike" ein Baum auf das Dach des früheren Jugendheims.


Was aus der Antoniusgemeinde geworden ist, lässt sich an diesem Schild ablesen, das an der Tür zur Krypta angebracht wurde:


Mitte des Jahres 2022 wird der derzeit leitende Pfarrer die Gemeinde Sankt Joseph-Münster-Süd verlassen; ein Nachfolger ist nicht vorgesehen. Damit endet das ohnehin nicht mehr existierende Gemeindeleben in Sankt Antonius auf unabsehbare Zeit ganz offiziell. Die Antoniuskirche mit ihrem sehenswerten Innenraum ist die Woche über geschlossen und nicht mehr zugänglich. Sie blickt auf 105 Jahre Geschichte zurück.

hauptsächlich verwendete Quellen:
Festschriften zum 50. und zum 75. Jubiläum der Pfarrei Sankt Antonius Münster, private Quellen

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