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Jean Giraudoux

Der Trojanische Krieg findet nicht statt

1935

(gekürzte deutsche Fassung in einem Akt - zum Ausdrucken)

„Am Vorabend eines Krieges pflegen zwei führende Staatsmänner von zwei im Streit befindlichen Völkern am Ufer eines Sees oder in der Ecke eines Gartens zusammen zu treffen. Ab und zu weht eine leichte Brise. Und sie sind einer Meinung, dass der Krieg die ärgste Geißel der Welt ist. Und beide sind friedlich, bescheiden, loyal. Sie beobachten einander. Sie sehen sich an. Von der Sonne durchwärmt, von dem hellen Landwein weichgestimmt, entdeckt keiner in dem Gesicht vor ihm einen einzigen Zug, der hassenswert, einen einzigen, der nicht liebenswert wäre! Nichts Unverträgliches in ihren Sprachen, in ihrer Art, sich die Nase zu reiben oder zu trinken. Und sie sind vom Frieden wie von Friedenswünschen wirklich erfüllt. Sie scheiden mit einem Händedruck und fühlen sich als Brüder. Und am nächsten Tag bricht dennoch der Krieg aus.“


(Odysseus)