Schloss Senden wird erneuert

Das Mannenhaus, der nordwestliche Teil von Schloss Senden, droht in die Gräfte abzusinken. Es steht schräg und die Wände weisen bereits Risse auf, die nur außen geflickt wurden. Der Grund liegt in der Verwendung von Tannenholz statt Eichenholz für das Fundament, das unter Wasser liegt. Ein stabiles Fundament ist aber die Voraussetzung für jede weitere Sanierung. Darum kümmertenn sich seit dem 1. Oktober 2018 Dr. Andreas Schaffrath von der „global research for safety (GRS) und sein Team. Sie mussten schweres Gerät aufgefahren. Schloss Senden wurde zeitweise eine Großbaustelle.

Mit Wasserkraft werden 16 Löcher von etwa acht bis zehn Metern Tiefe und 1,30 m Durchmesser in den Grund gebohrt und unmittelbar danach mit  Zement verfüllt, der mit Hochdruck in die Erde gepumpt wurde ("Hochdruckinjektion"). So entstanden Pfeiler, auf denen das Fundament nun ruht.  Es war kein routinemäßiges Verfahren und brauchte viel Erfahrung. Dr. Schaffrath beobachtete bei jeder Bohrung, ob keine Mauer ins Wanken gerät. Auch die Sicherheit  der Bauleute musste er im Auge behalten. Geistein, Erde und Holzreste wurden während des Arbeistvorgangs abgesaugt und in einem eigens zu diesem Zweck angelegten Auffangbecken von 150 Kubikmetern gesammelt.

Die Kosten für die Maßnahmen werden auf rund 250.000 Euro beziffert, die Mittel stammen aus Spenden und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Eine preiswertere Lösung war hier nicht möglich. Dazu der Architekt und Dipl.-Ingenieur Bernhard Mensen im WDR:

„Dazu kommt, dass eben viele der alternativen Methoden entweder am Gebäude gescheitert sind, an der Zufahrtssituation, an den Brücken, die eben auch nicht tragfähig sind; und letztlich ist es das Einzige, was übrig geblieben ist.“
Die Bausubstanz ist nach seinen Aussagen „im Kern gesund“. (WN 12.4.2018)

Dr. Franz Waldmann vom Besitzerverein ergänzt: „Wir wollen dieses Denkmal 500 Jahre europäischer Baugeschichte komplett erhalten und nutzbar machen.“

(Zusammenfassung des WDR-Beitrags „Marodes Schloss Senden wird gerettet“ vom 1.10.2018 – Lokalzeit Münsterland - Die Bilder sind Screenshots aus dem Video)

Eine Bilderstrecke der Westfälischen Nachrichten zu den Arbeiten gibt es hier.


Baustellenführung am 10. Februar 2019 (Dr. Franz Waldmann):

Um das Mannenhaus abzustützen, musste in einem einzigen Arbeitsgang Erde, Holz und Gestein aus dem Untergrund abgesaugt und Beton mit Druck in die Bohrlöcher gepresst werden. (s.o.) Der Abraum wurde in einem breiten Strahl nach außen gedrückt und in einem eigens zu diesem Zweck angelegten Becken mit Betonuntergrund aufgefangen. Dieses Becken wird nun, nach der Sanierung des Fundamentes unter dem Mannenhaus zurückgebaut. Das restliche Fundament des Schlosses erwies sich als stabil.




Bei der Bohrung entstanden mehrere Stumpen aus gemauerten Ziegeln.


An der Ostseite des Rombergtraktes wurde der Balkon (Söller) abgebaut und muss nun neu gemauert werden. Der Terrazzo-Boden ging dabei leider verloren. Um die inneren Schlossräume vor eindringendem Regenwasser zu schützen, wird der Balkon etwas tiefer gelegt. Seine Stützen sind tragfähig und können original erhalten bleiben. Über die Gräfte wurde für die Arbeiten eine behelfsmäßige Brücke gelegt.




Inzwischen besitzt der Söller wieder ein Fundament aus Beton und die Balustrade wurde wiederhergestellt - größtenteils konnten die ursprünglichen Baluster verwendet werden, einige wurden ausgebessert, einige wenige durch neue ersetzt. Auf dem Foto ist das deutlich zu erkennen. Für die Baluster wurde nicht wie sonst üblich der Baumberger Sandstein verwendet, sondern der robustere Wrexener Sandstein aus dem Hessischen.




Gleichzeitig werden die Fugen der Außenwand des Rombergtraktes saniert, ebenso die Sandsteinfassungen der Fenster und das Dach.

Die Fensterlaibungen aus Baumberger Sandstein wurden von Farbe gereinigt, abgestrahlt, teilweise ersetzt, teilweise abgeschiffen. Das Foto zeigt ein Fenster, bei dem die linke Seite komplett erneuert wurde. Die untere Einfassung konnte im Kern erhalten bleiben, wurde aber an der Oberseite abgeschliffen. Ein passend zugeschnittenenr Stein wird nun davorgesetzt. die X-förmigen Einkerbungen sollen einen Spezialkleber aufnehmen, der geeignet ist, den alten und den neuen Teil der Einfassung miteinenander zu verbinden.

Der Turm an der Südostecke soll eine neue stilisierte Spitze aus Stahl  bekommen. Die ursprünglich dort vorhandenen 11 Meter hohe Turmspitze wurde im Krieg von einem notlandenenden Flugzeug gestreift und fiel herunter. Für diese Arbeiten hat man ein Gerüst direkt in die Gräfte stellen müssen.


Der große Lebensbaum im Innenhof neben dem Freisitz musste leider nach Angaben des Architekten gefällt werden: Seine Wurzeln hatten sich bereits unter das Mauerwerk des Herrenhauses geschoben und gefährdeten dessen Sicherheit.