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Das historische Pluggendorf ist des Stadtviertel zwischen Koldering und von-Kluck-Straße östlich des Aasees. Die Straßenzüge sind einfach und ohne archtiektoniesche Auffälligkeiten, aber in den Innenhöfen der Häuserkarrees findet sich überraschend viel Grün. Der Aasee, Münsters schönstes Naherholungsgebiet verleiht Pluggendorf einen beosnderen Reiz. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr über die Geschichte dieses Stadtteils.
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Aus der Geschichte Pluggendorfs
von Regierungspräsident z. D. Dr. Bernhard Reismann

aus: 50 Jahre Pfarrgemeinde Sankt Antonius Münster
Festschrift zur Fünfzigjahrfeier 1959

Eines der reizvollsten Bilder der alten Stadt Münster, bevor ihr Wachsen den alten Rahmen sprengte und sie weit über den Kranz der Promenaden hinaus ins Land eingreifen ließ, ist eine kolorierte Lithographie aus der Zeit von etwa 1850, die sich im Besitz des Stadtarchivs befindet. Sie stellt ein Bild aus der Gegend von Pluggendorf vor etwa 110 Jahren dar.

Von einem sandigen Weg aus sieht man Münster vor sich liegen. Dieser Weg war die Straße, die man damals Mecklenbecker Stiege nannte, noch früher die Sendensche Stiege, später Mecklenbecker Straße und zuletzt Scharnhorststraße. Die Silhouette der Stadt, die dieses Bild bietet, ist schöner als man sie irgendwo sonst findet. Wenn das Bild auch wohl etwas gestutzt ist – die Kirche von St. Mauritz z.B. hat man sicher auch wohl vor etwa 100 Jahren hier nicht sehen können -, so ist das Bild doch offenbar ziemlich naturgetreu. Wer die Aawiesen vor der Anlage des Aasees gekannt hat und etwa unter den Baumgruppen an der Aa beim Himmelreich oder bei den Ruinen von Wersebeckmanns „Papierfabrik“ (Körnerstraße zum Aasee hin) gespielt hat, den muten die Baumgruppen links auf dem Bilde vertraut und heimatlich an.

Karte zum Vergrößern anklicken. Man erkennt die Papierfabrik zwischen Scharnhorststraße und Aa, ebenso die Weberei. Am Beginn der Scharnhorstraße ist noch das Klarissenkloster zu sehen sowie die Bleichen. Ausschnitt aus dem "Neusten Plan der Stadt Münster" von 1873

Das Bild stellt die Landschaft dar, wie man sie ungefähr auf dem Platz der jetzigen Jugendherberge oder Antoniusschule damals sah. Die sandige Straße zieht – links eine Windmühle (Bockwindmühle) – in weitem Bogen über den Vordergrund auf eine zweite Bockwindmühle zu, offenbar die Pluggenmühle, die etwa auf der Ecke der Norbertstraße und der Weseler Straße stand, und von der die Aegidiivorstadt den Namen „Pluggendorf“ erhalten hat. Die ersterwähnte Windmühle, links vom Wege, die hinter einer Gruppe von knubbeligen Bäumen hervorschaut, muss wohl die Wellmühle gewesen sein, die Peter und Paul 1853 von einem großen Sturm umgeworfen wurde und in der Nähe der jetzigen Antoniusschule, vielleicht auch etwas weiter zur Pädagogischen Akademie hin, gestanden hat. Der Name mag von den Wellwiesen dort an der Aa abgeleitet sein, von der leichten Anhöhe, einer Bodenwelle, oder dem welligen Charakter dieser Wiesen mit ihren vielen Gruben, Kuhlen und Löchern herrühren, wie sie in den Aawiesen häufig vorkamen.

Aus der Karte von Carl Allaerdt, 1673-78

Das Vorfeld vor dem Aegidiitor war ein sehr wichtiger Platz. „Sünt-Illigen-Paote“ war ein besonders wichtiges Tor. Dort trat die Aa in die Stadt ein. Mit ihrer Hilfe konnten Feinde in die Stadt eindringen. Mit ihrer Hilfe konnte man die Stadt trockenlegen und überfluten. Die Beherrschung dieses Vorgeländes vor der Festung war also von großer Bedeutung. Die Stadt Münster hatte böse Erfahrungen damit gemacht. Christoph Bernhard von Galen hat die Aa bei einer Belagerung gestaut und ihr später den heutigen Lauf gegeben. Ein Arm der Aa floss an dem jetzt restaurierten Nepomuk-Standbild an der Weseler Straße vorbei, kreuzte die Weseler Straße unter einer Brücke und speiste den Kanonengraben, der damals mehr als doppelt so lang wie heute war.

Schon die Wiedertäufer hatten das Aegidiitor stark gemacht. Jan van Leyden hatte auf der vorspringenden Bastion vor dem neuen Paulinum, neben dem Buchholz’schen Garten, mit der später so sorgsam gepflegten Hecke, ein jetzt noch erkennbares stark befestigtes Bollwerk angelegt, das „Neuwerk“. Jan van Leyden hatte in dem alten Aegidiitorhaus in seiner letzten Not Zuflucht gesucht, wohl weil es dieses Tor für besonders fest und sicher hielt. Aus seiner Burg, einer Kurie am Domplatz, war er durch die „Buxe“, eine Gasse zwischen dem Domplatz und der Rothenburg (Aegidiiplatz) zum Aegidiitor geflohen. Doch auch hier entkam er seinen Verfolgern nicht, die ihm auf mittelalterliche Strafweise ein grausiges Ende bereiteten.

Das Aegidiitor hatte seinen Namen von dem seit mindestens 1202 an dieser Stelle bezeugten Zisterzienserkloster Westfalens, das 1468 die Benediktiner-regel annahm und ursprünglich auf dem jetzigen Aegidiiplatz stand. (…)

Das Aegidiitor war das Tor zum Westen hin; es führte zum Rhein. Dorthin ging die Verbindung zur großen Welt. Zumal in der Zeit, in der die Landesherren zugleich Erzbischöfe von Köln waren, wurde diese Verbindung wichtig. Doch auch vorher schon war der Weg zum Niederrhein  für Handel und Wandel wie für den Verkehr mit Freund und Feind entscheidend. Zu diesem Stadttor hinaus führte der Weg zu den beiden Hochgerichten, dem des Bischofs bzw. Domkapitels und dem der Stadt. In der Nähe der Stelle, die man jetzt den „Scharfen Eck“ nennt, am Kappenberger Damm und der Weseler Straße, war die Richtstätte des Stadtgerichts, der Galgen. Die Flurbezeichnung hält die Erinnerung hieran noch im Grundbuch und Kataster fest. Hier wurden Verbrecher und hexen verbrannt oder – was als Gnade galt – anderweitig hingerichtet. Dass das hier an der wichtigen Straße zum Niederrhein geschah, hatte einen guten Sinn. Man wollte dem zweifelhaften Volk, das über diese Straße etwa gen Münster gezogen käme, zeigen, dass mit der Stadt nicht zu spaßen sei. Weiter hinaus am Kappenberger Damm, nicht weit vom Haus des Grafen Looz-Corswarem, bei dem Kolonat helle, lag die „Höllenburg“, ein domkapitularisches Gefängnis, zugleich Richtstätte.

Das Vorfeld vor dem Aegidiitore war eine besonders windige Gegend. 1875/76 hieß die jetzige Weseler Straße, die Jahrhunderte lang „Weg nach Lüdinckhausen“, auf Stadtplänen von 1839 bis 1854 „Chaussee nach Wesel“ genannt worden war, offiziell „Windstraße“. Sie lag nämlich nach Südwesten hin, also auf dem Wind. Sie führte über den Höhenrücken, der von der Geist herkam, zur Stadt hin, und noch heute kann man das Gefälle, mit dem sie sich der Stadt nähert, deutlich wahrnehmen.

 

vier der Pluggendorfer Windmühlen. Am rechten Rand erkennt man die einzige gemauerte Turmwindmühle, in Bereich des späteren Neuen Krug (heute ein Einkaufszentrum)

Mit diesem Wind hingen auch die acht Windmühlen zusammen, die sich in ihrer Nähe befanden. 1876 wurde diese wichtige Ausfallstraße nach Südwesten amtlich „Weseler Straße“ benannt. Ihren früheren Namen „Windstraße“ gab man damals der jetzigen Körnerstraße, die damals neu entstanden war und 1896 in „Pluggendorfer Straße“ umbenannt wurde, bis diese Bezeichnung den Namen des für unsere Gegend völlig beziehungslosen Freiheitsdichters Theodor Körner Platz machen musste. Die eingangs erwähnte „Mecklenbecker Stiege“ (ursprünglich Sendensche Stiege) oder „Straße“ musste den wohl für vornehmer gehaltenen und, weil dem Militärischen entlehnt, dem Nationalsozialismus wohl als Verbeugung zugedachten Scharnhorst weichen.

Das Viertel vor dem Aegidiitor war also schon laut Straßennamen und, wie die vielen Windmühlen bezeugen, eine windige Ecke in des Wortes eigentlicher Bedeutung, nicht bloß im übertragenen Sinne, was ihm zeitweise auch nachgesagt wurde. Wie denn im vorigen Jahrhundert in der wachsenden Stadt alle neuen Stadtviertel von der sich patrizierhaft dünkenden Altstadt herablassend eingeschätzt wurden. Unser Viertel lag wirklich auf dem Wind und vor dem Wind. Der bei uns vorherrschende Westwind konnte sich hier austoben. Die Wälle und Häuser der auch damals schon breit ausgedehnten Stadt hinderten den Wind nicht. So war dieses Vorgelände für Windmühlen besonders geeignet und günstig. Von den 23 Mühlen, die zur Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Mehl rund um die Stadt lagen, befanden sich acht allein vor dem Aegidiitor. Also auch aus diesem Grunde war das Vorfeld des Aegidiitores für die Stadt Münster und ihre Versorgung mit Lebensmitteln besonders wichtig. Es war hier aber auch gefährlich; der Wind trieb die Mühlen nicht bloß, sondern von Zeit zu Zeit warf er sie auch um. Wegen der besonderen Gunst und Bedeutung dieser Lage legte zu allen Jahrhunderten auch das Militär besonderen Wert auf dieses Tor und sein Vorfeld und die Straßen dahin.


Anmerkungen:

Die Antoniusschule stand auf dem Gelände des Gebäudes der heutigen Ärzteversorgung

Die Pädagogische Akademie war Ausbildungsstätte für Volksschullehrer (Volksschule = Klasse 1 bis 8), sie wqwurde später umbenannt in Pädagogische Hochschule. Heute ist das Gebäude Teil der Universität am Platz der Weißen Rose

Das Aegidiitorhäuschen stand am Platz des Lokals "Krusebaimken"