Herzlich willkommen auf meiner Webseite

 









EINZELPERSONEN:

Termine:


DO 26.04.  19 Uhr
DO 05.07.   19 Uhr

Preis: 8,-/7,- €,

Anmeldung nicht  erforderlich

GRUPPENBUCHUNG
Termine:
ganzjährig nach Vereinbarung
Preis:
bis 12 Pers. 100,- €
ab 13 Pers.     8,- €
pro Person



Rund um Münsters Schloss

barocke Pracht - modernes Leben

NEUE FÜHRUNG VON STATTREISEN

Zusätzliche Informationen
zur Stadtführung

Das Schlaun’sche Schloss ist heute ein Wahrzeichen für die wechselvolle Geschichte Münsters in weniger als 250 Jahren. Heute steht es für Erholung und Bildung, für Kultur und Vergnügen, aber auch für Krieg und Militär. Unser Rundgang zeigt ein Meisterwerk der Architektur, lädt ein zur Entspannung im Park und bezieht auch die nahe Umgebung mit ein.

Treffpunkt: Schloss, Haupteingang
Dauer: 1,5 Stunden


Ä

Besonderer Dank an Herrn
Henning Stoffers
für die freundliche Genehmigung, Bilder aus seiner umfangreichen Postkartensammlung zu verwenden.

Gästebuch
am Ende der Seite!

    Here we go:
Warum verzögerte sich der Schlossbau so lange?

1719 gab Max Clemens von Wittelsbach bei seiner Wahl zum  Fürstbischof das Versprechen, ein Residenzschloss bauen zu lassen. Es fehlte jedoch vor allem der entsprechende Baumeister. Johann Conrad Schlaun errichtete seine bedeutendsten Werke erst nach Beendigung der Studienreisen nach Süddeutschland, Italien und Frankreich, also ab 1742.

Dann aber verzögerte der Siebenjährige Krieg (1754 – 1763) die Ausführung. In diesem Konflikt, der an sich nur England und Frankreich betraf, hatte sich der Fürstbischof auf die Seite Frankreichs geschlagen und Münster wurde erheblich in die Kriegshandlungen einbezogen

Wie hoch waren die Kosten?

Die Kosten für den Bau waren selbst nach heutigen Maßstäben enorm. Sie beliefen sich auf 500 000 Taler, 1 Taler entsprach etwa 1000 €, man käme also auf eine Summe von 500.000 000 € (eine halbe Milliarde). Der Fürstbischof gab lediglich Zuschüsse, die Hauptkosten musste die Bürger tragen.

Warum nutzte der Fürstbischof das Schloss nicht?

Nach dem Tod von Fürstbischof Max Clemens legte sein Nachfolger Max Friedrich von Königsegg-Rothenfels 1767 den Grundstein. Er starb jedoch, bevor das Schloss bezugsfertig war. Lediglich die Kapelle war vor seinem Tod so weit hergestellt, dass er dort die Messe feiern konnte.
Sein Nachfolger Max Franz von Österreich zog bei seinen Aufenthalten in Münster weiterhin die Unterkunft in einem Kloster am Domplatz vor. Es mag dort persönlicher zugegangen sein als in dem weitläufigen Wohnbereich des Schlosses. Er war außerdem ein Bruder der französischen Königin Marie-Antoinette und begriff nach dem Ausbruch der Französischen Revoltution, dass die Zeit des Adels ihrem Ende zuging.

 


(Postkartensammlung Henning Stoffers)

 

 

In der früheren Schlosskapelle befindet sich heute der Hörsaal S2. Von ihrer Ausstattung sind ganz wenige Spuren erhalten geblieben, die nun in einer extrem lieblos gestalteten Umgebung letzte Zeugen ehemaliger Schönheit sind. Die Stelle des Altarbildes nimmt eine Leinwand ein. Auf Sandsteinreste hat man in Anlehnung an den ursprünglichen Figurenschmuck Gipsfiguren gestellt, die denen ähneln, die sich früher in der Apsis befanden. Zwei Postamente wurden in die Wände der südöstlichen und südwestlichen Ecken eingelassen. Die Figuren haben keinerlei religiösen Bezug.

An der Westwand blieben einige Figuren auf ihren wie Wandpfeiler gestalteten Postamenten original erhalten:



         Wer schuf den Skulpturenschmuck?

Der Name des Bildhauers ist Joseph Pfeill. Über dem Fenster im Dachgeschoss des südlichen Seitenflügels hat er sein Porträt hinterlassen. Die Skulpturen sind äußerst lebendig und vielsagend. Wer sie genau anschauen möchte, findet hier eine Beschreibung zum Ausdrucken

Figurenschmuck.pdf (319.46KB)
Figurenschmuck.pdf (319.46KB)

              

                   Wie sah das Schloss innen aus?

Postkartensammlung Henning Stoffers

Die für den Barock typische Symmetrie wurde im Innern des Schlosses fortgesetzt. Die Etage noble beherbergte im Nordteil die Wohnung des Fürstbischofs mit Küche und Andachtsraum, im Südteil spiegelverkehrt eine Wohnung für einen hohen Gast und die Schlosskapelle.
Zwischen beiden Trakten lag in der Mittelachse der ellipsenförmige Festsaal.  gestaltet von Ferdinand Lipper nach einem Schlaun'schen Vorentwurf.
Das Treppenhaus war ebenfalls ausgesprochen prächtig. Front- und Hintereingang waren offen und boten Durchfahrt für Pferdekutschen. Öffnete ein Gast die Türen einer Kutsche, so sah er direkt vor sich links oder rechts je einen geschwungene Treppenaufgang, die zu der Repräsentationsräumen im ersten Geschoss (Etage noble) führten.



 Was ist über die Ausstattung bekannt?

Die Möbelausstattung soll prachtvoll gewesen sein, aber man weiß heute kaum noch etwas darüber. Als 1813 die napoleonischen Truppen aus Münster  abzogen, wurde fast das gesamte Mobiliar mitgenommen oder im Chaos der endenden Besatzung von Einheimischen geraubt. Nur einige Stühle blieben erhalten: Man fand sie in der Requisitenkammer des Theaters wieder. Heute stehen sie im Stadtmuseum. Das Tafelsilber wurde von den Preußen verhökert, als diese die Regierung im ehemaligen Fürstbistum übernahmen.


Wozu diente der Marstall vor dem Schloss?

Marställe sind man Gebäude für Pferde, Wagen, Kutschen und Geschirr. Vor allem in der Zeit des Barock wurden sie prunkvoll ausgeführt. An den Marstall angeschlossen war häufig ein Innenhof oder sogar eine gedeckte Reithalle für die Hofreitschule. Dem Prinzip der Symmetrie entsprechend hatte Schlaun    südlich und nördlich des Schlossplatzes je einen Marstall geplant. Der südliche kam jedoch nie zur Ausführung. Der nördliche ist im Wesentlichen ein Werk Ferdinand Lippers. Er wurde im Krieg nur leicht beschädigt und beherbergt heute die Zentrale Studienberatung und das Institut für Biologie. Der einst vornehme Reiterhof ist ein Parkplatz.

Stadtmuseum Münster/bearbeitet



Welche Aufgabe hatten die Kavaliershäuschen?

Die beiden Kavaliershäusschen am östlcihen Rand des Schlossbereichs waren Wachhäuschen, von denen aus  der Zugang zum Ehrenhof kontrolliert wurde. Gleichzeitig begrenzen sie den unmittelbaren Schlossvorplatzes. Beide wurden von Ferdinand Lipper erbaut.

Das südliche Kavaliershäusschen beherbergt schon seit Jahrzehnten den Asta. Im nördlichen war lange das Institut für Musikwissenschaft untergebracht. Heute sitzt dort das WWU Graduate Center, die zentrale Einrichtung für Promovierende und Promovierte an der Universität Münster. Dort werden Doktorarbeiten geplant und betreut.

Wer nutzte das Schloss im Nationalsozialismus?

Schloss und Nebengebäude (der nördliche Marstall) würden als Sitz der Gauleitung unter Gauleiter Alfred Meyer genutzt, der sich 1945 das Leben nahm.

Die Nationalsozialisten nutzten den riesigen „Hindenburgplatz“, wie er seit 1927 hieß, für militärische Aufmärsche und Parteiveranstaltungen in großem Stil.

Vor dem Krieg befand sich vor dem Haupteingang zum Schloss ein Reiterstandbild König Wilhelms I. Es verschwand über Nacht, die Bronze wurde eingeschmolzen und zur Herstellung von Waffen verwendet.

Während des Krieges wurde der Schlossplatz als Weideplatz für Schafe und sogar zum Anbau von Getreide genutzt. Damit sollte der Bevölkerung nach der Devise „Wir schaffen das“ gezeigt werden, dass die Regierung alles tue, um die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu gewährleisten. Natürlich war das Ergebnis nur ein Tropfen auf den heißen Stein.



Screenshots aus dem WDR-Film "Geheimnisvolles Schloss Münster"

Warum brannte das Schloss 1945 völlig aus?

Nach eher mäßigen Beschädigungen wurde das Schloss kurz vor Kriegsende schwer von Brandbomben getroffen. Bürger hielten eine vorbeifahrende Feuerwehr an und forderten sie auf zu löschen. Die Feuerwehr  hatte jedoch keinen Löschbefehl für das Schloss und fuhr weiter zu anderen ebenfalls schwer getroffenen Stadtteilen  Nach Augenzeugenberichten wäre das Schloss mit geringem Aufwand zu retten gewesen, so jedoch brannte die gesamte Innenausstattung ab.



aus der Sammlung Henning Stoffers

Wegen der Bombenagriffe hatte man neben dem  Marstall  nördlich des Schlosses einen Löschteich angelegt. Dabei man stieß dabei auf ein Massengrab: Rund 50 Skelette wurden  in der Erde gefunden. Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um französische Soldaten handelte, die 1759, also während des Siebenjährigen Krieges (s.o.), hier gestorben waren; die näheren Umstände sind nicht bekannt.


Wie sah die Anbindung an die Innenstadt aus?

Der Schlossplatz bzw. Neuplatz  war insgesamt begrünt und lud zum Verweilen ein. Der Zugang erfolgte über die Frauenstraße, die auf die Mittelachse des Schlosses zuführt. Über die Frauenstraße fuhr bis 1954 sogar die Straßenbahn. Sie bog vor dem Neuplatz/Hindenburgplatz nach Norden in Richtung Grevener Straße ab.

Postkartensammlung Henning Stoffers

                                            

Heute trennt die vierspurige B 54 den gesamten Schlossplatz von der Innenstadt. Als Lösung ließ man in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen Tunnel anlegen, der besonders für Studenten eine schnelle Verbindung zwischen den Univeritätsgebäuden schaffen sollte. Er erwies sich jedoch durch seine Treppen als ungeeigenet für Radfahrer und Behinderte. Oft wurde er als Pissoir missbraucht und nach Eindruch der Dunkelheit war die Benutzung nicht mehr ratsam. Er wurde geschlossen und abgesperrt und bildet nun einen lost place.

eigenes Foto 4.3.2018



Wie sieht der Lazarettbunker von innen aus?

Lange Gänge mit Türen zu einzelnen Schutzräumen, sanitäre Anlagen, Entlüftungsanlagen und Elektroinstallationen sind noch original erhalten. Der Bunker ist am Tag des offenen Denkmals zu besichtigen.
Ein kurzer Film auf youtube zeigt die wichtigsten Bereiche:

https://www.youtube.com/watch?v=O3CkV9KdbiY

Welche Rolle spielt der Neuplatz bei der Verkehrsplanung? ?

Vom Neuplatz aus führt die Wilhelmstraße in Richtung Gievenbeck. Fast alle Geschichtsbücher über Münster verschweigen, dass es in Gievenbeck noch lange nach dem Krieg eine  Barackensiedlung gab, in der Kriegsflüchtlinge oder Obdachlose lebten, die nach dem Krieg den Weg zurück in ein bürgerliches Leben nicht geschafft hatten. Die Siedlung war aus einem Arbeitslager hervorgegangen, das die Nationalsozialisten hier angelegt hatten. Unter Münsteranern war sie  einfach unter dem Namen „Toppheide“ bekannt Kein Stadtplan verzeichnete diese Siedlung und sie war nicht einmal allen Münsteranern bekannt.

Nach und nach verschwand sie. Erst als sie ganz aufgelöst war, begann die systematische Erschließung und Bebauung Gievenbecks. Es ist heute der am schnellsten wachsende Stadtteil Münsters. Deshalb muss eine neue Verkehrsanbindung an den Universitätsbereich und die Innestadt geschaffen werden.
Im Februar 2017 legte die SPD ein Konzept für eine Stadtbahn vor. Sie soll vom Bahnhof kommend über den Platz am Neutor fahren und hier eine Haltestelle haben. Sodann würde sie über die Wilhelmstraße in Richtung Coesfelder Kreuz und am Universitätsklinikum vorbei zum Rüschhausweg nach Gievenbeck führen. Für die Kosten würde zu 90% das Land aufkommen, aber bei veranschlagten Kosten von 100 Mio. Euro kämen immer noch hohe Kosten auf die Stadt zu; außerdem würde der Bau rund 10 Jahre dauern. Deshalb wird seit neustem eine Lösung mit Schnellbussen bevorzugt, die etwa die gleiche Route nehmen, aber statt Schienen eine  Fahrspur nutzen würden.

Was bedeuten  die Namen
"Neutor" und "Lazarettstraße"?


Ursprünglich befand sich das nordwestliche Stadttor in der Verlängerung der Jüdefelder Straße und nannte sich dementsprechend Jüdefelder Tor. Es war stark befestigt, denn von dort gelangte man zur früheren Friesischen Straße, der wichtigsten Handelsstraße der Region im Mittelalter. Auf den Fundamenten des stark befestgten Tores steht heute der Lazarettbunker (s.u.).


1764 wurde die Stadtbefestigung geschleift und Johann Conrad Schlaun konzipierte auf der äußeren Mauer die heutige Promenade. Das Stadttor wurde leicht nach Süden versetzt und eine neue Straße in Richtung Nienberge angelegt, die heutige Steinfurter Straße.

Nach dem damaligen Fürstbischof Max Franz von Österreich wurde das neue Tor Maxtor genannt, durch der Säkularisation setzte sich der Name Neutor durch. Ein Lokal trug noch lange den plattdeutschen Namen Niepaote. Das Neutor verlieh auch dem heutigen Schlossplatz den ersten Namen Neuplatz.
Der Name Lazarettstraße stammt von einem Standortlazarett, das die Preußen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf den Fundamenten des Jüdefelder Tores bauen ließen.



Quelle: Das Siedlungswachstum der Stadt Münster vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg, Münster 2000


Wann entstanden die militärischen Gebäude am Neuplatz ?

Die militärischen Gebäude an der Nordseite des Schlossplatzes zu beiden Seiten der Steinfurter Straße stammen noch aus der Zeit des Nationalsozialismus. 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt; die Vereinigung der durch den Versailler Vertrag auf 100.000 Mann beschränkten Wehrmacht mit den Wehrdienstleistenden führte zur Gründung der Wehrmacht. In Münster wurde bereits 1934 das Generalkommando (Verwaltungsbehörde) des VI. Armeekorps eingerichtet. Am 2. April 1945 zogen die Briten in Münster ein und verlegten den Hauptsitz der Militärregierung in diese Gebäude. Nach der Gründung der Bundesrepublik zog hier die Bundeswehr mit dem I. Deutschen Korps ein, welches  1995 mit dem I. Niederländischen Korps aus Apeldoorn zum Deutsch-Niederländischen Korps vereinigt wurde. Es ist Teil der NATO, kann aber auf Anfrage auch der EU unterstellt werden. Seine Aufgabe sind Verteidigung, Friedensmissionen der UN, Humanitäre Interventionen sowie Einsätze bei Naturkatastrophen.

Wichtigster Einsatz war bisher der Einsatz in Afghanistan. Von Münster aus können bis zu 60.000 Soldaten befehligt werden, so auch die Spezialeinheit  Speerspitze, eine schnelle Eingreiftruppe bestehend aus 2000 Mann. Die Soldaten sind inzwischen auch für die Luftwaffe, die Marine und den Cyberkrieg ausgebildet. Sie sind an ihren blauen Barretts zu erkennen.


Warum trennt ein  riesiger Platz den Schlossbereich von der Innenstadt?

Die Größe des Platzes hängt mit der Auseinandersetzung zwischen der Stadt und dem Fürnstbischof Christoph Bernhand von Galen zusammen. Während der Friedensverhandlungen zur Beendigung des Dreißgjährigen Krieges, die von 1643 bis 1648 in Münster stattfanden, war die Stadt von ihren Verpflichtungen dem Landesherrn gegenüber befreit. Nach dem Friedensschluss 1648 gelang es Fürstbischof von Galen erst nach drei Kriegen, die Herrschaft über die Stadt zurückzugewinnen. In der Zeit des nun anbrechenden Absolutismus war er verpflichtet, die Verteidigung der Stadt in die eigenen Hände zu nehmen und ein stehendes Heer zu schaffen. Dieses erhielt eine befestigte Zitadelle, die genau dort stand, wo man später das Schloss baute. Der Platz davor war Exerzierplatz, aber gleichzeitig auch ein Schussfeld, dass die Soldaten vor weiteren Angriffen der widerspenstigen Münsteraner schützen sollte.
Der Schlossplatz hieß bis  1759 Neuplatz, benannt nach dem  "Neutor" an seinem nordwestlichen Rand. 1927 wurde er anlässlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten Hindenburg in Hindenburgplatz umbenannt.

Der Name geriet wegen der umstrittenen Bewertung der Person Hindenburgs immer wieder in die Diskussion.

Am 21. März 2012 entschied Münsters Stadtrat mit 53 zu 23 Stimmen, ihn in Schlossplatz umzubenennen. Die Schilder wurden ausgetauscht, doch damit begann der Streit: Eine Bürgerinitiative bildete sich und sammelte binnen weniger Wochen 15.123 Unterschriften von Menschen, die unbedingt wollten, dass alles so bleibt, wie es immer war. Ihr Slogan lautete: "Ein vertrautes Stück Münster. Hier sind wir zu Hause." (Quelle)

In einem Bürgerentscheid 2012 sprachen sich 60% der Münsteraner für die Beibehaltung des neuen Namens Schlossplatz aus.

Der Platz war ursprünglich weitgehend begrünt. Da die heutige vierspurige Straße noch nicht existierte, war das Schloss eng an das Zentrum angebunden, der Zugang erfolgte über die Frauenstraße.

Die Nationalsozialisten nutzten dem weitläufigen Platz für militärische Aufmärsche und Parteiveranstaltungen in großem Stil.

Nach dem Krieg wurde auf dem Platz ein erster Versuch unternommen, zwischen Münsteranern und den Britischen Besatzern einen friedlichen Kontakt zu schaffen.  In Wellblechhütten wurde ein Begegnungszentrum  eingerichtet, das den Namen Die Brücke erhielt –  Vorläufer des späteren internationalen Zentrums die „Brücke“ an der Wilmergasse

In einem Kurzfilm des WDR können Sie Bilder aus der Vergangenheit des Schlosses und des Schlossplatzes sehen.

Das heutige Aussehen soll nicht die endgültige Form des Schlossplatzes bleiben. Im Jahre 2012 war eine Umgestaltung im Gespräch. Das Stadtmuseum stellte in einer Ausstellung 200 Entwürfe und Skizzen für eine neue Gestaltung vor; drei davon kamen von der Kaufmannschaft.  Besonderes Interesse fand die Skizze des bekannten Duos Bolles & Wilson. Konkrete Pläne für die Umsetzung gibt es allerdings zurzeit nicht.



Am 17. Januar 2007 fällte der Sturm Kyrill den größten Teil der Bäume auf dem Schlossplatz.

http://www.wn.de/Storytelling/Kyrill/Kyrill-2007-Orkan-mit-verheerender-Bilanz


 Seit wann findet der Send
auf dem Schlossplatz statt?

Dreimal im Jahr gibt es auf dem Schlossplatz eine große Kirmes, die nur hier in Münster als „Send“ bezeichnet wird.
(Termine 2018: 14.4. - 22.4. --- 21.6. - 25.6 --- 27.10. - 4.11.)

Ursprung und Name sind nicht wirklich geklärt. Meistens wird folgende Erklärung gegeben: Im Mittelalter berief der Fürstbischof zweimal jährlich Synoden ein, Versammlungen von Klerikern, und bei diesem Anlass fand ein großer Markt statt. Demnach soll sich „Send“ von Synode herleiten. Unumstritten ist diese Erklärung nicht.

Ab Ende 16. Jahrhundert liegen schriftliche Zeugnisse über diese Märkte vor. Hier wurden neben Waren auch Belustigungen geboten, Akrobaten zeigten ihre Kunst, es gab Tierschauen und Darbietungen von Kuriositäten.

Die Buden standen auf dem Domplatz, aber auch der Prinzipalmarkt wurde einbezogen. Während der Dauer des Send galten verschärfte Gesetze: Wer einen Streit anzettelte oder für Unruhe sorgte, so dass Blut floss, wurde mit dem Tode bestraft. Um dies allen Bürgern deutlich vor Augen zu halten, hängte man ab 1578 an der Rathausfassade das so genannte Sendschwert aus. Diese Tradition wird bis heute beibehalten.

Nachdem er während des Zweiten Weltkriegs ausgesetzt worden war, kehrte er ab 1948 an diese Stelle zurück.

Inzwischen hat sich der Send um einiges verkleinert, und zwar aus zwei Gründen: Der so genannte Pottmarkt verschwand, weil er durch Billigprodukte von Tchibo beispielsweise unattraktiv geworden war. Ein anderer Grund liegt bei dem Sturm Kyrill, der 2007 über Münster hinwegfegte und viele Bäume umstürzen ließ. So auch hier. Man pflanzte zwar unverzüglich neue Bäume, aber die haben bisher noch nicht die Höhe, die man braucht, um eine Bude darunter aufzustellen.

Welche Skulptur steht vor dem
Zoologischen Institut?

Vor dem Zoologischen Institut befinden sich zwei Skulpturen aus der Ausstellung Skulptur-Projekte 1987. Sie stammen von dem dänischen Künstler Per Kirkeby.


google maps/bearbeitet


Wir finden den für Münster typischen roten Ziegel wieder, der sogar für die Umkleidung des Toilettenhäuschens und der Trafostation i der Nähe verwendet wurde. Ebenso finden wir in der Form die barocke Regelmäßigkeit wieder. Die flache Skulptur hat die Form eines Quadrates, welches auf Bogensegmenten ruht. Die Ziegel auf der Oberfläche sind konzentrisch um ein Quadrat, in diesem Falle um einen halben Ziegel, angeordnet. Umgeben ist die Skulptur von einem ovalen Rasenstück.

In der Nähe befindet sich eine turmartige Skulptur, die das Motiv der Bogensegmente wiederaufnimmt und zusätzlich vier Blendöffnungen aufweist. Diese könnte man als Anspielung auf Architekturelemente Schlauns verstehen, der ebenfalls häufig mit mit funktionsloser Scheinarchitektur arbeitet. Damit setzt Kirkeby einen Gegenakzent zum  Funktionalismus („Funktion bestimmt die Form“/Louis Sullivan) der Nachkriegszeit.

Mit Absicht stellt Kirkeby die flache Skulptur vor die hierarchisch gegliederte Fassade des Universitätsinstituts, die vertikal jedoch gleichsam in den freien Raum.

Interessant ist die Rezeption des Kunstwerks. Es fällt kaum auf, weil es sich in das Gebäudeensemble einpasst, als wäre es immer schon dort gewesen. Der Passant kann den Eindruck haben, es handele sich um eine Abluftkonstruktion. Diese Reaktion ist charakteristisch für die Nachkriegszeit, die wenig Sinn für das Spielerische in der Architektur hatte. Hier jedoch sehen wir das genaue Gegenteil: Per Kirkeby präsentiert uns ein funktionsloses Spiel mit traditionellen Formen und Baustoffen.

Schätzten die Münsteraner ihr Schloss?

1864 entwickelte die preußische Verwaltung das Projekt eines Kanals, der Rhein und Weser miteinander verbinden sollte. Die Trasse des Kanals sollte direkt über den Schlossplatz führen. Ausgeführt wurde das Projekt nie. Aber die Planung zeigt, dass man Mitte des 19. Jahrhunderts kein Empfinden mehr für die Schönheit des Schlosses besaß. Der Stil des Barock war aus der Mode gekommen. Selbst die wenige Jahrzehnte später beliebte Architektur des Historismus orientierte sich mehr am Mittelalter und an der Renaissance. Erst nach dem Krieg begann man, die Barockarchitektur erneut wertzuschätzen. Das Innere des Schlosses wurde allerdings in ausdrucksloser Nücherternheit wiederaufgebaut

Warum wird das Schloss nicht wie geplant renoviert?

Besonders die Fenster und das Fundament benötigen eine Sanierung. Der Beginn der Sanierungsarbeiten war für Mai 2018 angesetzt. Es war geplant, die vor rund 50 Jahren eingesetzten Fenster durch neue Fenster zu ersetzen. Nun hat die zuständige Denkmalbehörde entschieden, dass auch diese Fenster ein Denkmal des Wiederaufbaus seien und deshalb  erhaltenswert seien. Sie sind aus kanadischem Pitch-Pine-Holz gefertigt.
Das stellt jedoch den Eigentümer, die Bau- und Liegenschaftsbehörde (BLB), vor erhebliche Probleme:
Die Sanierung von 426 Fenstern an Ort und Stelle würde den Universitätsbetrieb sowie Veranstaltungen und Tagungen im Schloss für einen langen Zeitraum behindern. Außerdem gibt es nur wenig Firmen, die dazu in der Lage sind. Die Kosten dafür sind noch nicht einmal kalkuliert.
Der bereits fertige Sanierungsplan für 2018 wurde verworfen. Lediglich eine Pilotsanierung des Südflügels ist für 2019 geplant.
(Quelle: WN 26.2.2018)


E N D E


Gästebuch


Fragen? Lob? Kritik?

Dorothea Wagner
04.03.2018 22:57:10
Herzlichen Dank an Frau Knust für einen schönen Sonntagnachmittag "Rund um Münsters Schloss", mit vielen neuen und interessanten Informationen, die neugierig machen auf weitere, ähnlich konzipierte Veranstaltungen mit so umfänglichem Hintergrundwissen.
"Rund um Münsters Schloss" ist ein Rundgang, der nicht nur eine Wissensbereicherung darstellt, sondern durch die Art der Vermittlung auch viel Freude macht!"
Châtelaine Sans Château
04.03.2018 19:32:20
Es war eine sehr schöne Veranstaltung. Frau Knust hat ein enormes Wissen und - das ist wichtig - vermag auch, es zu vermitteln.
Ich werde nicht zum letzten Mal dieses wunderbare Zeugnis der Geschichte Münsters besucht haben.
Vielen Dank!
Bettina Knust
04.03.2018 11:29:19
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung