Kirche und Nationalsozialismus
(ein Dossier zusammengestellt mithilfe der Bloggerin The Editrix)


Kardinal von Galen und die Juden (Grevelhörster)

"Weil es die Wahrheit ist"
Gary L. Krupp über Papst Pius XII.

Moskaus Angriff auf die Kirche
Bericht des ehemaligen Sekuritate-Agenten Ion Mihai Pacepa

David D. Dalin - Interview




 

Kardinal von Galen und die Juden
Auszug aus dem Buch
„Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit“
 von Ludger Grevelhörster/Historiker

Die Frage nach Galen und den Juden wird in allen Darstellungen zur Person immer wieder gestellt. So berechtigt sie ist, so schwer fällt es aus Quellengründen, zu einer abgesicherten und auch nur halbwegs vollständigen Antwort zu gelangen. Es gibt hierzu nur wenige überlieferte Hinweise, die folgendes fragmentarisches Bild ergeben:

Anders als manche seiner adligen katholischen Standesgenossen hat Galen im Zusammenhang mit seiner grundsätzlichen Kritik an der Weimarer Republik nicht den Versuch unternommen, „die Juden“ oder einzelne Juden für die kritisierten gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der Weimarer Zeit verantwortlich zu machen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, welche den aggressiven Antisemitismus – den Hass auf die Juden und alles angeblich „Jüdische“ – zur offiziellen Staatsanschauung erhoben, stand Clemens August unzweideutig auf der Seite derer, die aus katholisch-kirchlicher Sicht gegen die nationalsozialistische Rassenvergötzung Front machten. In seinem Aufsehen erregenden Hirtenbrief zu Ostern 1934 hat er sich früher als andere Bischöfe unmissverständlich gegen die ideologischen Grundlagen der Judenverfolgung gestellt, indem er die Überhöhung von „Blut und Rasse“ entschieden verurteilte. Weiterhin verwahrte sich der Bischof von Münster nachdrücklich gegen die Versuche nationalsozialistischer Schulbeamter, das „jüdische“ Alte Testament zu verleumden und seine Behandlung im katholischen Religionsunterricht inhaltlich zu verändern beziehungsweise zu unterbinden. (…)


In der so genannten Reichskristallnacht war Galen nicht in Münster, sondern hielt sich mehrere Tage im Ruhrgebiet auf. Er erfuhr von der Zerstörung der Synagoge und von der Verhaftung des Rabbiners Dr. Steinthal, dessen Wohnung in der Klosterstraße neben der Synagoge die SA zuvor verwüstet hatte. Galen schickte über Telefon eine Frage an Frau Steinthal, was sich zugetragen hatte. Grevelhörster berichtet weiter:


Einer glaubhaften Zeugenaussage zufolge traten einige Tage nach dieser Schreckensnacht mehrere Vertreter der münsterischen jüdischen  Gemeinde unter Leitung des inzwischen freigekommenen Dr. Steinthal an Galen mit der Bitte heran, öffentlich zu Gunsten der bedrängten Juden einzutreten. Das habe Clemens August zwar nicht unmittelbar abgelehnt; er habe aber zu bedenken gegeben, dass die Situation für sie dadurch „nur noch schlimmer“ werde, woraufhin ein solcher Protest im Einverständnis mit den jüdischen Bittstellern unterblieb. Später, im Herbst 1944, brachte Galen indes in einem bezeugten Gespräch mit seinem Generalvikar Meis zum Ausdruck, dass er schwer daran trug, nach dem Synagogenbrand 1938 gegen dieses „sakrilegische Verbrechen“ nicht sofort öffentlich eingeschritten zu sein.
Seit dem Herbst 1941 waren die deutschen Bischöfe, und damit wohl auch Galen, über die beginnenden Deportationen der jüdischen Mitbürger in den Osten im Bilde. Noch gingen die katholischen Oberhirten allerdings davon aus, es handele sich um eine „Umsiedlungsaktion“, verbunden mit der Einweisung in Arbeitslager. Spätestens seit Mitte Februar 1942 lagen ihnen aber die ersten glaubhaften Hinweise über Erschießungen vor. Es wurde nun immer klarer, das die physische Vernichtung – die gezielte Ermordung – der Juden als systematische Aktion angelaufen war. Von der Bischofsstadt aus waren im Dezember 1941 die ersten münsterischen und münsterländischen Juden deportiert worden. Am 27.Januar 1942, 31.März und 31.Juli jenes Jahres folgten drei weitere Zwangstransporte nach Riga, Warschau und Theresienstadt. Ob und inwieweit Galen über die Vorgänge Nachricht erhielt und unterrichtet war, ist nicht bekannt. Allerdings sprach Galen in einem Hirtenbrief vom März 1942 davon, es würden in Deutschland die Menschenrechte des „Blutsfremden“ missachtet, womit für jedermann offenkundig die Juden gemeint waren; insoweit versuchte Galen also, sich indirekt für die Verfolgten einzusetzen.

Ludger Grevelhörster, Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit, Münster 2005, S. 138 – 140


Weil es die Wahrheit ist

Just because it's the truth



In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erlangte ein bis dahin völlig unbekannter westdeutscher Autor namens Rolf Hochhuth mit einem Stück Berühmtheit, das den Titel "Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel" trug. Darin wurde behauptet, dass Papst Pius XII. die Nationalsozialisten unterstützte und Hitler ermutigte, die Juden Europas auszulöschen. Seit damals gilt Papst Pius XII. als DER Förderer des Holocaust, als allerdings bekannt wurde, dass Hochhuth im Auftrag des KGB geschrieben hatte, machte diese Nachricht kaum Schlagzeilen.

Im Jahre 2008 veröffentlichte Gary L. Krupp dazu ein Statement. Krupp ist Leiter der Friedensinitiative Pave the Way und Jude.
Dank an die Bloggerin The Editrix, die hierzu mehrere Dokumente auf Englisch zusammengestellt hat. Die Übersetzungen stammen von mir. Weitere Dokumente werden folgen.

Ein kürzlich veröffentlichtes päpstliches Dekret lässt Papst Pius XII., und nicht nur ihn, eher als einen  Heiligen erscheinen und stellt die Kontroverse, die um seine Rolle im II. Weltkrieg und bei der Judenvernichtung geführt wird, gleichsam auf den Kopf.  

Ich bin als Jude in Queens aufgewachsen und hätte mir nicht träumen lassen, dass ich einmal einen Mann verteidigen würde, den ich für einen Anhänger des Nationalsozialismus und Antisemiten gehalten hatte. Aber die im Jahre 2002 zusammen mit meiner Frau Meredith begonnene Arbeit und die Pave the Way Foundation haben mir den Anlass dazu gegeben.

Pave the Way wurde mit dem Ziel gegründet, nicht theologisch begründete Differenzen zwischen Religionen zu auszumachen und zu beseitigen., Ungeachtet unserer früheren Vorurteile beschlossen wir deshalb, uns mit der Amtszeit Pius‘ XII. (Eugenio Pacelli) zu befassen, die bis heute eine Quelle tiefster gegenseitiger Verletzungen zwischen Juden und Katholiken ist.

Die jahrelange Forschungsarbeit auf der Basis von Dokumenten und Augenzeugenberichten brachte uns zu einer schockierenden Erkenntnis: Wir stießen nur auf Lob und positive Zeitungsartikel von Seiten eines jeden Juden, Israeli oder Politikers, der die Kriegszeit selbst miterlebt hatte.

Einige wenige Artikel der Nachkriegszeit ließen verlauten, dass er in der Pflicht gewesen wäre, sich den Nationalsozialisten entschiedener entgegenzustellen. Aber erst 1963, trat das Erscheinen des fiktiven Theaterstückes „Der Stellvertreter“ (das erst fünf Jahre nach Pius‘ Tod geschrieben wurde), eine Lawine von Anschuldigungen los, dass er versagt habe, untätig geblieben sei und dass ihm, einem eiskalten Nazi-Verehrer, das Schicksal des jüdischen Volkes völlig gleichgültig gewesen sei.

Vieles deutet darauf hin, dass dies Teil einer vom KGB gesteuerten und finanzierten Verleumdungskampagne gegen Pius war, bzw. eine sowjetische Desinformationsstrategie mit dem Ziel, die katholische Kirche in Misskredit zu bringen, die seinerzeit zutiefst antikommunistisch positioniert war.

Die Fakten widersprechen jedoch ganz klar dem, was inzwischen so viele über Pius zu wissen glauben.

Die rund 5000 Seiten umfassenden Dokumentensammlung, die Pave the Way zusammengetragen hat, zeigt mit einer Fülle von Belegen, dass Pius ganz offensichtlich lebenslang ein Freund der Juden war. Hier einige besonders aussagekräftige Beispiele:

  • 1930 unterstützte Pius die Anweisung der deutschen Bischöfe, jedes Mitglied der NSDAP mit Exkommunikation zu belegen.
  • 1938 untersagte Pius ein Gesetz gegen das Schächten in Polen.
  • 1939 schrieb der in Köln ansässige US-amerikanische Konsul  A.W. Klieford in einem vertraulichen Brief nach Washington von dem „extremen“ Hass Pacellis auf die Nationalsozialisten und Hitler.
  • 1947 hielt der Papst die 17 katholischen Länder unter den 33 Mitgliedsländern der UNO an, für die Teilung Palästinas und die Gründung des Staates Israel zu stimmen.
  • 1948 enthüllte eine Aussage des obersten SS- und Polizeiführers für Italien, General der Waffen-SS Karl Wolff den Plan der Nationalsozialisten, den Papst während des Kriegs zu entführen, zahlreiche Kardinäle zu töten und den Vatikan zu besetzen.

Noch überzeugender wirken persönliche Zeugnisse. Pacellis bester Freund in der Kindheit war Guido Mendes, ein orthodoxer jüdischer Junge. Von Mendes lernte er Hebräisch und er half ihm, 1938 nach Palästina auszuwandern.

Die Gegner Pius’ XII. üben lieber Kritik als sich wie geboten an Fakten zu halten. Vor zwei Jahren ließ Papst Benedikt XVI. in den Archiven des Vatikan die Abteilung für die Zeit bis 1939 öffnen, in der sich zahlreiche Belege für Eugenio Pacellis Aktivitäten bis zu seinem Amtsantritt als Papst finden lassen. Sieht man die Zugangsanträge durch, so stellt man fest, dass sich nur wenige von Pius‘ Kritikern die Mühe machten, das Material durchzusehen.

Pinchas Lapide, jüdischer Historiker, Religionsgelehrter und Botschafter, stellte fest, dass Pius XII. durch verschiedene Aktionen und politische Maßnahmen rund 860.000 Juden das Leben gerettet hat.

Albert Einstein, Golda Meir, der Oberrabbiner von Palästina, der Oberrabbiner von Rom und die Leiter jeder jüdischen Organisation waren zu seinen Lebzeiten voll des Lobes für Pius.

Sollen sich alle diese Zeitzeugen, die den Krieg selbst erlebt haben, geirrt haben?
Originaltext
:
The Editrix

Ansprache von Papst Benedikt XVI. bei einem Symposium von Pave the Way in Rom

Interview mit Michael Hesemann zu seinem neuen Buch "Der Papst und der Holocaust"


Moskaus Angriff auf den Vatikan
(Ion Mihai Pacepa)

 

In einem Aufsehen erregenden Bericht aus dem Jahre schildert Mihai Ion Pacepa, früherer Mitarbeiter des rumänischen Geheimdienstes Securitate die Verwicklungen des KGB in die Diffamierungskampagne gegen Pius XII.
Pacepa sagte sich 1978 von seiner früheren Tätigkeit los und floh in die USA. In Bukarest wurde er in Abwesenheit wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, ein Richterspruch, der bis 2004 seine Gültigkeit behielt. Enthüllungen ehemaliger Agenten sind immer kritisch zu lesen, zumal aufgrund strikter Auflagen zur Geheimhaltung eindeutige schriftliche Beweise oft fehlen. Auch Pacepas Bericht lässt im Detail einige Fragen offen, klingt jedoch im Großen und Ganzen überzeugend. Ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen vom 16.11.2013 schildert ihn als glaubwürdigen Mann.
siehe: Der Kronzeuge soll verstummen (FAZ)

Der Bericht Pacepas wurde am 25. Januar 2007 vom  amerikanischen Aufklärungsdienst National Reconnaissance Office (NRO) veröffentlicht.
Das englische Original findet sich hier (The Editrix).

 

 

Bei meiner früheren Tätigkeit, als ich unmittelbar an Aktionen des Moskauer Geheimdienstes beteiligt war, wurde ich sogar in eine sorgfältig ausgearbeitete Strategie mit dem Ziel eingebunden, den Vatikan zu diskreditieren und Papst Pius XII. den Ruf eines hartherzigen Anhängers der Nationalsozialisten zu verpassen. Letztlich wurde dadurch zwar kein dauerhafter Schaden angerichtet, aber es bleibt ein übler Nachgeschmack, der sich schwerlich wegspülen lässt.

 

Diese Geschichte wurde niemals zuvor erzählt.

Im Februar 1960 billigte Chruschtschow einen streng geheimen Plan,  die moralische Autorität des Vatikan in Westeuropa zu unterminieren. Die Idee ging auf den KGB-Vorsitzenden Alexander Schelepin und das Politbüro-Mitglied Alexej Kirichenko zurück, wobei Letzterer für internationale Beziehungen zuständig war. Zuvor hatte der KGB seinen „Todfeind“ vorwiegend nur in Osteuropa bekämpft, wo man dem Heiligen Stuhl ziemlich platt beschuldigte, eine von amerikanische Imperialisten bezahlte Spionagezentale zu sein, und dessen Vertreter man kurzerhand als Spione ins Gefängnis gesteckt hatte. Nun aber plante Moskau, den Vatikan durch Geistliche selbst als Bastion des Nationalsozialismus zu in Misskredit zu bringen, und das sollte durch Priester gleichsam auf eigenem Territorium geschehen.

Eugenio Pacelli, zu der Zeit Papst Pius XII., wurde Zielperson der KGB-Kampagne. Er eignete sich als Inkarnation des Bösen besonders gut, da er bereits 1958 verstorben war. „Tote können sich nicht mehr verteidigen“, hieß es damals im KGB. Moskau hatte sich soeben ein paar blaue Flecken zugezogen, als man versuchte József Kardinal Mindszenty, Vatikanischer Prälat und 1948 Primas der Kirche von Ungarn, etwas anzuhängen und ihn verhaftete. Während des Ungarn-Aufstandes von 1956 konnte er aus dem Gefängnis fliehen und erhielt Asyl in der Budapester US-Botschaft, wo er seine Memoiren zu schreiben begann. So wurden Einzelheiten über sein Schicksal in den westlichen Medien bekannt und man sah in ihm einen Helden der Kirche und einen Märtyrer.

Pius XII. war zur Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus päpstlicher Nuntius in München und Berlin gewesen - ein Anlass für den KGB, ihn zum Antisemiten und Befürworter von Hitlers Judenvernichtung abzustempeln. Die Operation durfte jedoch nicht den geringsten Hinweis liefern, dass die Sowjets dahintersteckten. Den schmutzigen Teil sollten Agenten aus dem Westen verrichten, indem sie interne Belege aus dem Vatikan beschafften. (…)

Der KGB brauchte Originales aus dem Vatikan, vor allem Dokumente, das nur ganz entfernt mit Pius XII. in Verbindung standen und sich leicht durch Spezialisten aus der Abteilung für Desinformation manipulieren und anpassen ließen, dass aus ihnen die „wahre Haltung“ des Papstes öffentlich erkennbar wurde. Allerdings hatte der KGB keinen direkten Zugang zu den Vatikanischen Archiven, und so wandte man sich an die Securitate, den rumänischen Geheimdienst. General Aleksander Sacharowsky, jetzt neuer sowjetischer Geheimdienstchef, hatte die Securitate 1949 gegründet und hatte lange als deren wichtigster Berater fungiert; er wusste, dass die Securitate bestens geeignet war, Kontakt zum Vatikan aufzunehmen und Zugang zu den Vatikanischen Archiven zu erlangen.

1959 wurde ich als Undercover-Agent in stellvertretender Funktion in die Rumänische Botschaft Westdeutschlands geschleust, um  einen Gefangenenaustausch zu arrangieren: Zwei hochrangige Mitarbeiter der Securitate, Oberst Gheorghe Horobet und Major Nicolae Ciuciulin, waren in der Bundesrepublik aufgeflogen und sollten gegen den römisch-katholischen Bischof Augustin Pacha ausgetauscht werden, den man fälschlicherweise der Spionage bezichtigt und verhaftet hatte. Auf dem Umweg über die BRD gelangte Pacha wieder in den Vatikan.

 Unter dem Code-Namen “Stuhl 12” lief die Operation gegen Pius XII. an, und ich wurde der rumänische Kontaktmann. Um meine  Arbeit zu erleichtern, hatte Sacharowsky mir gestattet, dem Vatikan vorzutäuschen, Rumänien sei bereit, die auf Eis liegenden Beziehungen zum Heiligen Stuhl wieder aufzunehmen, wenn der im Gegenzug Zugang zu den Archiven und einen zinslosen Kredit in Höhe von 1 Milliarde Dollar mit 25 Jahren Laufzeit gewähren würde. (Rumänien hatte die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan 1951 abgebrochen, weil Moskau die Vatikanische Nuntiatur in Rumänien beschuldigte, insgeheim eine Zweigstelle des CIA zu sein. Die Nuntiatur wurde geschlossen und ihre Gebäude der Securitate übergeben; heute beherbergen sie eine Sprachenschule). Dem Vatikan sollte ich erklären, der Zugang zu den Archiven sei notwendig, um mittels historischer Dokumente der rumänischen Regierung die Möglichkeit zu geben, ihre Kehrtwende in der Vatikanpolitik vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Das Geld würde benötigt, um die neue Haltung zusätzlich plausibel zu machen. „Wenn diese Klerikalen von einer Sache was verstehen, dann vom Geld“, meinte Sacharowsky.

 Wegen meines früheren Einsatzes für den Austausch von Bischof Pacha gegen die beiden Securitate-Agenten lief ich offene Türen ein. Nur einen Monat nach Erhalt  der Anweisungen vom KGB nahm ich Kontakt zu einem Vertreter des Vatikan auf. Da die Sache geheim bleiben musste, fand das Treffen, ebenso wie die folgenden, in einem Genfer Hotel in der Schweiz statt. Ich wurde einem „einflussreichen Mitglied“ des diplomatischen Corps vorgestellt, der, wie verlautete, zu Beginn seiner Karriere in den Vatikanischen Archiven gearbeitet hatte. Sein Name war Agostino Casaroli, und ich sollte bald erfahren, dass er tatsächlich Einfluss besaß. (Casaroli war als Staatssekretär ab 1961 eine Art Außenminister des Vatikan. BK)  Der Monsignore gewährte mir unverzüglich Zugang zu den Vatikanischen Archiven und schon bald darauf durchwühlten drei junge Undercover-Agenten der Securitate als angebliche rumänische Priester die päpstlichen Archive. Casaroli stimmte „im Prinzip“ auch dem Bukarester Wunsch nach dem zinslosen Darlehen zu, kündigte jedoch an, dass der Vatikan einige Bedingungen daran knüpfen würde. (Als ich 1978 zum Glück Rumänien verließ, stand ich immer noch in Verhandlungen über diesen Kredit, der auf 200 Mio. gesenkt worden war.)

Zwischen 1960 und 1962 gelang es der Securitate, Hunderte von Dokumenten mit Bezug zu Papst Pius XII. aus den Vatikanischen Archiven und der Apostolischen Bibliothek zu schmuggeln. Alle gelangten sofort mittels spezieller Kuriere in die Hände des KGB. Letztlich enthielten all diese heimlich abfotografierten Dokumente keinerlei belastendes Material gegen den Pontifex. Zumeist waren es Kopien persönlicher Briefe oder Protokolle von Unterredungen oder Ansprachen, erwartungsgemäß abgefasst in der unter Diplomaten üblichen Sprache. Trotzdem verlangte der KGB weitere Dokumente. Und wir lieferten sie.

1963 begab sich der Leiter der KGB-Abteilung für Desinformation, General Ivan Agayants, persönlich nach Bukarest, um sich für unsere Hilfe zu bedanken. Er erzählte uns, dass das ganze Material von „Stuhl 12“ in ein spektakuläres gegen Papst Pius XII. gerichtetes Theaterstück eingeflossen sei, das den Titel „Der Stellvertreter“ trug, eine Bezeichnung, die den Papst unzutreffender Weise als Stellvertreter Gottes auf Erden erscheinen lassen sollte. Agayants behauptete, die Lorbeeren für den Entwurf des Stückes stünden ihm zu und erklärte uns, seine Experten hätten umfangreiches Material aus inoffiziellen Quellen zusammengestellt, wobei die Dokumente, die wir aus dem Vatikan beschafft hatten, sehr hilfreich gewesen waren. Er behauptete auch, dass der für das Stück verantwortliche Regisseur, Erwin Piscator, ein überzeugter Kommunist sei, der auf langjährige Beziehungen zu Moskau zurückblicken konnte. 1929 hatte er die Berliner Volkbühne gegründet und als Hitler an die Macht kam, in der Sowjetunion Asyl erhalten. Er war dann einige Jahre später in die USA „ausgewandert“. 1962 kehrte Piscator nach Berlin zurück, um “Der Stellvertreter“ inszenieren.

1963 wurde “Der Stellvertreter” als Werk eines unbekannten Westdeutschen namens Rolf Hochhuth der Öffentlichkeit vorgestellt. Die zentrale Aussage darin lautete, dass Pius XII. Hitler unterstützt und zur Vernichtung der Juden ermutigt habe. Sofort entbrannte eine heftige Kontroverse um Pius XII., der als ein gefühlloser, hartherziger Mensch auftrat, den die Reichtümer des Vatikan mehr interessierten als das Schicksal der Opfer Hitlers.

Bevor Hochhuth, der nicht einmal das Abitur besaß, “Der Stellvertreter” schrieb, war er als Verlagslektor für den Bertelsmann-Verlag tätig. In Interviews behauptete er, 1959 eine Auszeit genommen zu haben, um für drei Monate nach Rom zu gehen, vor Ort Gespräche zu führen und den ersten Entwurf des Theaterstückes zu verfassen. Er habe dort einem bestimmten Bischof, dessen Namen er nicht nennen wollte, „eine Menge Fragen“ gestellt. Klingt sehr unwahrscheinlich! Zur selben Zeit besuchte ich als akkreditierter Gesandter eines Staates ziemlich regelmäßig den Vatikan und es war mir nicht möglich, jemals einen gesprächsbereiten Bischof zu erwischen – und an Versuchen meinerseits hatte es wahrlich nicht gefehlt. Auch die illegalen Securitate-Agenten, die man in den Vatikan eingeschleust hatte, stießen auf unüberwindliche Schwierigkeiten, wenn sie Zugang zu den Geheimen Archiven des Vatikan beantragten, obwohl sie doch offiziell als Priester galten.

 In den letzten Tagen meiner Tätigkeit für die Securitate fragte ich mehrmals meinen persönlichen Vorgesetzten Marin Ceausescu (den Bruder des Diktators) nach der Akte eines früheren Untergebenen, und er fragte mich: „Geht es um Diffamierung oder um Rehabilitation?“.

 Während der ersten zehn Jahre nach seinem Erscheinen schadete das Stück „Der Stellvertreter“ dem Ruf des Papstes erheblich. Es gab eine Fülle von diesbezüglichen Veröffentlichungen: die einen klagten den Papst an, andere verteidigten ihn. Einige gingen so weit, die Verantwortung für das Grauen von Auschwitz auf seine Schultern abzuwälzen, andere zerrissen Hochhuths Thesen in der Luft, aber alle sorgten dafür, dass dieses mittelmäßige Theaterstück damals enorme Beachtung fand. Noch heute sind etliche, falls sie überhaupt von dem Stück gehört haben, der ehrlichen Überzeugung, dass Pius XII. ein bösartiger kalter Mensch gewesen sei, der die Juden hasste und Hitler bei ihrer Vernichtung zur Seite stand. Wie Yury Andropow, KGB-Vorsitzender und unübertroffener Meister sowjetischer Täuschung mir zu sagen pflegte, wird das Böse eher geglaubt als das Gute.

Etwa die Mitte der 70er Jahre geriet das Stück “Der Stellvertreter” ins Vergessen. 1974 gestand uns Andropow, dass er niemals gegen Pius XII. vorgegangen wäre, wenn sie damals gewusst hätten, was sie heute wüssten. Denn neuere Erkenntnisse standen in völligem Widerspruch zu den damaligen. Hitler hegte keinerlei Sympathie für Pius XII. und hatte einen Anschlag auf ihn geplant.

Nur wenige Tage vor Andropows Amtsantritt war General Friedrich Otto Wolff, im Zweiten Weltkrieg Oberbefehlshaber der deutschen SS in Italien, aus der Haft entlassen worden. Er sagte aus, dass Hitler ihm 1943 befohlen hatte, Papst Pius XII. aus dem Vatikan zu entführen. Der Befehl war absolut geheim, so dass er nach dem Krieg nicht einmal in den Archiven der Nationalsozialistn auftauchte. Auch als die siegreichen Alliierten Gestapo- und SS-Offiziere verhörten, stand nichts davon in den Protokollen. In seiner Aussage behauptete Wolff, Hitler geantwortet zu haben, dass er für eine solche Aktion sechs Wochen Zeit benötige. Hitler, der den Sturz Mussolinis dem Papst anlastete, bestand auf sofortiger Durchführung. Wahrscheinlich konnte Wolff Hitler überzeugen, dass ein Scheitern der Aktion möglicherweise großen Schaden anrichten würde, und der Führer gab auf.

Jahre später leitete Johannes Paul II. den Heiligsprechungsprozess für Pius XII. ein und Zeugen aus aller Welt konnten überzeugend attestieren, dass Pius XII. ein Gegner und kein Freund Hitlers war. Israel Zoller, der 1943/1944, als Hitler Rom besetzen ließ, dort Oberrabbiner war, widmete in seinen Memoiren Pius XII. ein ganzes Kapitel voller Anerkennung. „Der Heilige Vater sandte den Bischöfen eine handschriftliche verfasste Anweisung, in Konventen und Klöstern die Klausur aufzuheben und jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Mir ist ein Kloster bekannt, dessen Nonnen im Keller schliefen, um ihre Betten jüdischen Flüchtlingen zu überlassen.” Im Juli 1944 wurde Zoller von Papst Pius XII. empfangen. Notizen des Vatikanischen Staatssekretärs Battista Montini (dem späteren Papst Paul VI.) belegen, dass Zoller dem Heiligen Vater für alles dankte, was er zur Rettung der jüdischen Gemeinde getan hatte – und diese Dankesrede wurde im Radio übertragen. Am 13. Februar 1945 ließ sich Rabbi Zoller in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli von dem römischen Weihbischof Luigi Traglia taufen. Aus Dankbarkeit Pius XII. gegenüber nahm Zoller den christlichen Namen Eugenio an (der Vorname des Papstes). Ein Jahr später wurden Zollers Frau und seine Tochter ebenfalls getauft.

 David G. Dalin (amerikanischer Rabbiner und Historiker, BK) lieferte in seinem Buch “The Myth of Hitler’s Pope; How Pope Pius XII Rescued Jews From the Nazis” aus dem Jahre 2005, einen überzeugenden Beleg, dass Eugenio Pacellis Freundschaft zu den Juden weit in die Zeit vor seinem Amtsantritt als Papst zurückreichte. Als der Zweite Weltkrieg begann, war seine erste Enzyklika so eindeutig gegen Hitler gerichtet, dass die Royal Air Force und die Französische Armée de l’Air 88.000 Kopien des Textes über Deutschland abwarfen.

Aus dem Kommentar der Bloggerin The Editrix  zu diesem Artikel:
Pacepa sagt jedoch am Schluss, dass letztlich die Kampagne gegen Pius XII. keinen dauerhaften Schaden angerichtet hat. Wie aber erklärt sich dann, dass in Deutschland ein jeder, vom Kleinkind bis zur Oma, sofern sie von Pius XII. überhaupt je gehört haben, zu wissen glaubt, dass er ein Nazi war? So jedenfalls habe ich es erlebt.

Wie erklärt sich der dramatische Verlust an christlicher Spiritualität und Autorität in der westlichen Welt? Nicht nur innerhalb der katholischen Kirche, sondern in der christlichen Welt überhaupt? Wie kam es zu dem massenhaften Übertritt zu Retortengöttern wie Scientology, Wicca, Schamanismus, Tierrechten oder dem Öko-Kult, der neuen Ersatzreligion? Wie kam es zu dem abscheulichsten aller dieser Symptome, der ständig wachsenden Zahl an Übertritten zum Islam? Pius XII. wurde zwar rehabilitiert – doch im Ernst, wer, außer ein paar Katholiken, interessiert sich noch dafür?

 

 

Eine Anmerkungen zu Rolf Hochhuth


Den Bischof, dessen Namen Hochhuth laut Pacepa nicht nennen wollte, hat Hochhuth selbst benannt, nachdem mehrere andere Namen ins Spiel gekommen waren,   besonders in Wikipedia.  Hochhuth soll  1998 behauptet haben, sein Hauptinformant sei der päpstliche Privatsekretär Robert Leiber gewesen. Abgesehen von Frage, wie Hochhuth  Zugang zu dem engsten Mitarbeiter des Papstes erhalten haben will, gilt ausgerechnet Leiber als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und Unterstützer des deutschen Widerstandes. Demnach wählte also "Hitlers Papst" einen Gegner Hitlers zum Privatskretär, und letzterer verpetzte ihn unter Verletzung der Eidespflicht an einen unbedeutenden, obendrein protestantischen Verlagslektor. Glaubhaft?



Im Jahre 2005 setzte sich Hochhuth für den  als Holocaustleugner bekannt gewordenen englischen Historiker David Irving ein, bezeichnete den Vorwurf des Negationismus als "idiotisch". Später musste er    dann später seine Aussage widerrufen. Beide gelten als Freunde.

 


David D. Dalin
"Pius XII. rettete mehr Juden als Schindler"

David G. Dalin, amerikanischer Rabbiner und Historiker, veröffentlichte im Jahre 2005 sein Buch "The Myth about Hitler's Pope Pius XII.", das nie ins Deutsche übersetzt wurde. Im Jahre 2001 veröffentlichte die katholische (englischsparchige) Seite EWTN ein Interview mit ihm.

Frage:

Sie bezeichnen die Historiker, die Papst Pius XII. kritisieren, als Geschichtsfälscher. Warum?

Dalin:
Es gibt inzwischen eine neue Generation von Journalisten und Experten, die fest entschlossen sind, Pius XII. zu diskreditieren, obwohl dessen Engagement für die Rettung von Juden vor dem Holocaust eindeutig belegt ist. Diese Generation hält sich an das Stücke „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth, das zwar für Historiker wertlos ist, doch zu umstrittenen Anschuldigungen gegen den Papst geführt hat. Aber entweder kennen diese Verleumder Eugenio Pacellis die aufschlussreichen Forschungsergebnisse von Pinchas Lapide nicht oder sie unterschlagen sie. Letzterer war Israelischer Generalkonsul in Mailand und traf dort mit vielen italienischen  Juden zusammen, die den Holocaust überlebt hatten. Er weist in seinen Arbeiten nach, dass durch Papst Pius XII. mindestens 700.000 Juden vor den Nazis gerettet worden sind. war. Anderen Schätzungen zufolge waren es sogar 860.000.

Frage:
Wie kam es dann zu dieser Kehrtwende in der Einschätzung?

Dalin:
Ich bezeichne die heutigen Kritiker als Revisionisten, weil sie das geschichtliche Bewertung ins Gegenteil verkehren, insbesondere was  die Anerkennung betrifft, die Pius XII. durch seine Zeitgenossen erfuhr, darunter der Nobelpreisträger Albert Einstein, der israelische Großrabbiner Isaac Herzog, die Premierminister Golda Meir und Moshe Sharett, Menschen wie Raffaele Cantoni, damals Großrabbiner in Italien. Ferner wurden zu unterschiedlichen Zeiten  viele Artikel dazu im Boston’s Jewish Advocate, in der Londoner Times und der New York Times veröffentlicht.

Frage:
Was hat Pius XII. für die Juden getan?

Dalin:
Zahlreiche Dokumente belegen, dass er in keinster Weise geschwiegen hat. Er hat sich vielmehr laut und deutlich gegen Hitler ausgesprochen und fast jeder sah ihn als Gegner des Nazi-Regimes an. Als Rom von den Nationalsozialisten besetzt wurde, gab Pius XII. dem katholischen Klerus heimlich die Anweisung an, so viele Menschenleben wie möglich zu retten.
Er bewahrte dadurch mehrere Tausend Juden vor der Deportation. 80% aller europäischen Juden kamen damals ums Leben, 80% der italienischen Juden wurden gerettet. Allein in Rom boten 155 Klöster 5.000 Juden Zuflucht. Immer wenn eine Deportation in deutsche Vernichtungslager anstand, wurden mindestens 3.000 Juden rechtzeitig in Kastell Gandolfo in Sicherheit gebracht.

Neun Monate lang lebten 60 Juden bei den Jesuiten in der Päpstlichen Universität Gregoriana, und viele andere konnten sich im Keller des Päpstlichen Bibelinstituts verstecken. Zahlreiche  Priester und Ordensmitglieder brachten sich selbst in Lebensgefahr, weil sie der Anweisung des Papstes folgten und jüdisches Leben retteten.

Frage:
Der Papst hat jedoch niemals antisemitische Gesetze und Judenverfolgung öffentlich verurteilt.

Dalin:
Sein Schweigen war Teil der Strategie, möglichst viele Juden vor der Deportation zu schützen. Eine ausdrückliche Verurteilung der Nationalsozialisten durch den Papst hätte jene  nur zu Repressionen veranlasst, was die Lage der Juden in ganz Europa nur verschlimmert hätte.

Natürlich kann man sich fragen: Was hätte denn noch schlimmer sein können als die Auslöschung von 6 Millionen Juden? Die Antwort ist so einfach wie schonungslos zutreffend: Die Ermordung von Hunderttausenden weiterer Juden. Die revisionistischen Kritiker  wissen sehr wohl, dass Jüdische Rabbiner ebenso wie katholische Bischöfe aus den besetzten Ländern dem Papst davon abhielten, öffentlich gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten zu protestieren. Es ist belegt, dass Vertreter der Jüdischen Gemeinde den Bischof von Münster, der sich gegen die Judenverfolgung in Deutschland aussprechen wollte, ihn baten, dies nicht zu tun, weil es doch nur zu schärferen Repressionen geführt hätte.   

Frage:
Wäre Ihrer Meinung nach die Exkommunikation der Nationalsozialisten hilfreich gewesen?

Dalin:
Ja, ich meine schon, und im Grunde meines Herzens denke ich, man hätte zumindest die Exkommunikation androhen sollen. Allerdings, lassen wir meine persönlichen Gefühle mal beiseite, denn es lässt sich belegen, dass Hitlers Exkommunizierung eine rein symbolisch gewesen wäre.

Frage:
Wäre das nicht besser gewesen als gar nichts zu sagen?

Dalin:
Im Gegenteil. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass eine formale Exkommunizierung genau das Gegenteil bewirken kann. Pater Luigi Sturzo (Mitbegründer der Democrazia Cristiana) sowie der ehemalige Oberrabbiner von Dänemark hatten geradezu Angst davor. Die Nationalsozialisten verstanden die Ansprache des Papstes von Weinachten 1942 als eine unmissverständliche Verurteilung ihrer Herrschaft und als eine Bitte für die Juden Europas. Ihr Ärger hätte katastrophalen Folgen für Sicherheit und Schicksal des Papstums überhaupt bis in die Nachkriegszeit haben können.

Eine Verurteilung durch den Papst, so die berechtigte und weit verbreitete Befürchtung,  hätte Hitler dazu bringen können, sich durch Angriff auf den Vatikan am Papst zu rächen. Rudolph Rahn, der NS-Botschafter in Rom, hat die Existenz solcher Pläne bestätigt, die er selbst initiiert haben will.

Frage:
In Ihren Büchern schlagen Sie vor, dass die Geschichte über den „Fall Pius XII.“  von Juden selbst neu geschrieben werden sollte. Wie meinen Sie das?

Dalin:
Es ist an der Zeit, dass die jüdische Seite daran arbeitet, die Beziehung zwischen Pius XII. und dem Holocaust in neuem Licht darzustellen. Diese Neubearbeitung würde, wenn sie sich stärker an die  Fakten hält und zeigt, was Pius XII. wirklich für die Juden getan hat, zu völlig Aussagen kommen, die denen des nichtswürdigen Buches „Hitlers Papst“ von John Cornwell diametral entgegenstünden.

Pius XII. war nicht „Hitlers Papst“, sondern der größte Beschützer, den die Juden je hatten, und das genau zu der Zeit, als wir ihn brauchten. Eine neue Geschichtsschreibung  sollte sich auf zeitgenössische Aussagen zu seinen Bemühungen, Erfolgen und Misserfolgen stützen und Holocaustüberlebende fragen, wie sie sein Leben und seinen Einfluss in den kommenden Jahrzehnten eingeschätzt haben.
Papst Pius XII. war ein Gerechter unter den Völkern, dem die Anerkennung zusteht, Juden zu Hunderttausenden geschützt und gerettet zu haben. Man kann sich schwerlich vorstellen, dass so zahlreiche jüdische Rabbiner in verschiedenen Kontinenten, sich irren oder irre reden, wenn das Verhalten von Papst Pius XII. während des Krieges gewürdigt werden soll. Deren Dankbarkeit hielt ihm gegenüber lange an, und sie war ehrlich und tief.